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Die Bärengeschichten sind von Elke Bräunling.
Vielen Dank!
Websitelinks von "Elke Bräunling" "Elkes-Kindergeschichten"
 
Heute ist Flohmarkt.
Viele Spielsachen und Bücher hat Jana auf ihrem Flohmarkttisch aufgebaut. Auch Zwottel, ihr alter Bär,
ist mit von der Partie. Den will Jana nicht verkaufen. Zwottel ist ihr Freund, und wo Jana ist, ist auch
Zwottel, auch wenn ihre Freunde lachen und sagen, ein Bär sei ´was für Babies und so´. Jana macht sich
nichts aus dem Gespött, und auch heute hat sie ihren Zwottelbären mitgenommen. Hinten auf dem Tisch
sitzt er neben dem Geldkästchen. "Pass gut auf unser Geld auf", trägt sie ihm auf. Bald ist Janas Tisch von
Käufern umlagert. Jana verkauft und verkauft: Bücher, Cassetten, Spiele, Puppen und anderes Spielzeug.
Bald klimpern im Geldkästchen viele Münzen, auch Geldscheine sind dabei. Jana freut sich. Es macht Spaß,
Verkäuferin zu sein. Schade, denkt sie, dass ich meine Schränke nicht noch mehr ausgemistet habe.
"Was kostet der?", fragt plötzlich ein Mann und deutet auf Zwottel. Jana erschrickt. "N-nichts", stammelt sie.
"D-der ist nicht zu verkaufen." Der Mann wundert sich. "Aber du bist doch viel zu alt für einen Schmusebären"
Jana muss an das Gespött ihrer Freunde denken, da fährt der Mann fort: "Als Kind habe ich fast den gleichen
Bären gehabt. Deshalb würde ich den hier gerne kaufen. Zur Erinnerung." Hm. Darauf weiß Jana keine Antwort.
Unsicher sieht sie Zwottel an. Eigentlich ist sie ja wirklich viel zu alt für einen Schmusebären! "Hier sind 10 Mark!
Das ist ein gutes Geschäft!", sagt da der Mann und hält ihr den Geldschein vor die Nase. "Einverstanden?"
"Einverstanden", antwortet Jana ohne weiter nachzudenken, und ehe sie sich versieht, drückt der Fremde Zwottel
an sich und verschwindet. Jana muss grinsen. Der ist aber wirklich viel zu alt für einen Zwottel-Bären!
denkt sie und nickt. Es ist wirklich ein gutes Geschäft. Zufrieden kommt Jana nach Hause. Fast alles hat sie verkauft.
Ein guter Tag, findet Jana. Beim Abendessen aber hat sie auf einmal keinen Hunger, und Einschlafen kann sie später
ohne Zwottel schon drei Mal nicht. Sie vermisst ihren alten Kuschelbären so sehr, dass es weh tut. "Zwottel",
schluchzt sie. "Was hab ich getan? Mein lieber, kleiner Zwottel!" Jana weint und weint. Papa kommt.
"Das ist Zwabbel", sagt er und legt eine kleine Plüschmaus auf Janas Bauch. "Ich glaube, sie könnte etwas Liebe
brauchen. Seit Jahren liegt sie in meiner dunklen Schreibtischschublade, und ich habe ein ganz schlechtes Gewissen.
Früher nämlich habe ich Zwabbel immer bei mir getragen. Als Talismann, weißt du?" "Als Talismann?", fragt Jana
unter Tränen und streicht über das zerrupfte Fell der kleinen Maus. "Ja", sagt Papa. "Sie hat mir Glück gebracht!
Deswegen sollte sich auch wieder jemand um sie kümmern. Würdest du das für mich tun?" "O ja!"
Jana drückt die Maus fest an sich. "Jetzt bist mein Talismann, kleine Zwabbel-Maus", flüstert sie,
und insgeheim hofft sie, dass es ihrem Zwottel in den Armen des Mannes, der eigentlich viel zu alt für einen
Kuschelbären ist, jetzt auch gut geht.
 
Drei Bären pflücken Beeren.
Beim Herbstfest des Oberbären führt Frau Oberbär den kleinen Bären zur Höhle.
"Hier warten zwei Bärenkinder auf dich!", sagt sie. "Bestimmt werdet ihr gute Freunde sein."
"Au ja!", freut sich der kleine Bär. Dann aber erschrickt er. Die beiden Bärenkinder drehen
einander ja den Rücken zu! Sie scheinen sich nicht zu mögen, und auch der kleine Bär mag
die beiden auf der Stelle nicht leiden. Sie sehen so fremd aus! Ihr Pelz ist weiß und schwarz!
´Wie ekelig!´ denkt er. ´Echte Bären sind braun! Nein, mit denen möchte ich nichts zu tun haben!
´ Der kleine Bär ist sauer. Er mag nicht mit diesen Ekelbären spielen. "Es würde mich nicht wundern,
wenn auch noch blaue, grüne oder gelbe Bärenkerle auftauchten", brummt er.
Und so sitzen die drei kleinen Bären in der Höhle und schmollen. Was sie voneinander denken, nun,
das würde sich nicht sehr nett anhören. Nach einer Weile kommt der Oberbär. "Hallo", sagt er und tut,
als sei alles in bester Ordnung. "Ihr könnt im Wald Beeren für unser Festmahl pflücken! Einverstanden?"
Beeren pflücken? Dazu haben die drei keine Lust! Weil man aber dem Oberbären nicht widerspricht,
stammelt der braune Bär: "Ei-ei-einverstanden!" Der weiße Bär brummt "Jaja"und streckt die Zunge heraus.
Der schwarze Bär knurrt: "Brrr!" Dann trotten sie murrend in den Wald. Der braune Bär geht nach links zu
den Brombeerhecken, der schwarze nach rechts zur Walderdbeerwiese und der weiße geradeaus zu den
Blaubeerkissen. Klar, jeder möchte der beste Beerenpflücker sein, und so pflücken die drei Bären so viele
Beeren, wie sie nur können. Vor lauter Pflücken aber vergessen sie, auf den Weg zu achten, und auf einmal
stehen sie bärenseelenalleine im Wald. Da kriegen sie es mit der Angst zu tun.
Der braune Bär bleibt vor Schreck erst einmal im Gebüsch stecken.
Dann aber reißt er sich los und saust davon nach irgendwohin in den Wald.
Den Beerenkorb aber lässt er stehen. Nur die vielen grünen Brombeerdornenzweige, die sich in seinem Pelz
verheddert haben, nimmt er mit. Der schwarze Bär hüpft zwischen den Grashalmen auf und ab, aber auch er
kann den Rückweg nicht finden. Da kriegt er es so mit der Angst zu tun, dass er nach irgendwohin über die
Wiese saust. Den Beerenkorb vergisst er. Nur die vielen Grassamen, die gelb wie Sterne auf seinem Pelz
funkeln, nimmt er mit. Der weiße Bär wirft sich ängstlich auf ein Blaubeerkissen und weint: "Mama!!!"
Doch seine Mama hört ihn nicht, und so rennt auch er los nach irgendwohin den Hang hinunter.
An dem Beerenkorb denkt er nicht.Die vielen Blaubeerflecken auf seinem Fell aber nimmt er mit.
So kommt es, dass sich mitten im Wald drei seltsame Bären begegnen: ein grün-braun gestreifter, ein gelb-
schwarz getupfter und ein blau-weiß karierter! Was für ein Schreck! "Hi-hi-hilfe!", "Maa-maa!" und "Brrr!"
schreien die drei bunten Bären ängstlich durcheinander. Da muss der schwarze Bär niesen. Er schüttelt sich,
und viele gelbe Grassamen wirbeln wie Staubkörner aus seinem Pelz. Nun sieht der gelb-schwarz getupfte
Bär wieder aus wie der schwarze Bär. Da müssen der grün-braun gestreifte und der blau-weiß karierte Bär
lachen. "Du bist es", kichern sie. "Hihi! Wie hast du komisch ausgesehen!" Der schwarze Bär kichert auch
und zieht grüne Brombeerzweige aus dem Fell des braunen Bären. "Ihr seht noch viel komischer aus!
Grüngestreift und blaukariert. Hoho!" Die drei Bären lachen und lachen. Sie sind froh, einander wiedergefunden
zu haben! Alleinesein ist nämlich nicht schön! Und auf einmal mögen sie sich sehr gut leiden. "Was nun?",
fragt der braune Bär schließlich. "Ich glaube, wir sollten erst einmal unser Fell reinigen", schlägt der weiße Bär vor.
"Und unsere Beerenkörbe müssen wir auch holen", meint der schwarze Bär. Gesagt! Getan! Gemeinsam säubern
sie ihr Fell und gemeinsam suchen sie ihre Körbe. Gemeinsam geht nämlich alles viel besser. Klar.
Nur eines wissen sie auch gemeinsam nicht: den Rückweg zum Bärenfestplatz! "Gehen wir geradeaus?", fragt der
braune Bär. "Nein links", meint der weiße."Ich glaube, rechts", überlegt der schwarze Bär. Wie nun?
Sie überlegen und überlegen. Weil sie aber so müde sind, schlafen sie beim Denken ein.
Und so finden Herr und Frau Oberbär wenig später drei Bärenkinder, die sich im Gras aneinanderkuscheln und
tief schlafen. Ein kleiner brauner, ein kleiner weißer und ein kleiner schwarzer Bär.

© Elke Bräunling

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